Ashtanga YogaAshtanga Yoga

 

Ashtanga Yoga

Die Form und Verbreitung von Ashtanga Yoga wie es heute überwiegend praktiziert wird, haben wir Sri K. Pattabhi Jois und seinem lebenslangen Studium des Yoga zu verdanken.

Bis zu seinem Tot am 18. Mai 2009 war er die Autorität für Ashtanga Yoga und weltweit eine lebende Legende.

Dieses System hat Sri K. Pattabhi Jois 1927 von seinem Guru T. Krishnamacharya übernommen und lehrte es bis ins Alter von 93 Jahren - praktisch unverändert, in seiner Shala in Mysore, Südindien.


 

 

 

 

 

 

 

Methode

Für Sri K. Pattabhi Jois ist das 3. Glied - die Asanas oder Körperstellungen - der Einstieg in die Yoga Praxis.

Da wir in einer extrem nach aussen gerichteten „körperlichen“ Welt leben und funktionieren, ist auch der Beginn von Ashtanga Yoga zunächst ein Körperlicher.
Nach dieser Methode ist die Abfolge der Asanas in einer festgelegten Sequenz vorgegeben.
Jedes Asana ist mit dem nächsten durch eine ebenso vorgegebene Bewegungsabfolge verknüpft.
Jede Bewegung wird unter Anwendung einer besonderen Atemtechnik (Ujjayi Atmung) mit einem Atemzug synchronisiert (Vinyasa).
Die Augen werden auf festgelegte Blickpunkte (Drishtis) fixiert und energetische Körperverschlüsse (Bandhas) werden aktiviert.


Der Geist wird nach innen gerichtet und durch dieses Zusammenwirken von Asanas, Vinyasas, Drishtis, Bandhas und Ujjayi Atmung kommt es zu einem „meditativen Tanz des Körpers mit dem Geist und dem Atem“.


Es ist zunächst ein körperlicher Ansatz, der aber durch die regelmäßige Praxis rasch auch einen Effekt auf Geist und Seele zeigt und zu einem Erwachen eines tieferen Bewusstseins gegenüber sich selbst und der Umwelt führt.


Diese Asana-Praxis ist Einstieg und Fundament für die anderen Glieder. Es ist die Vorbereitung des Körpers für Pranayama und der Schlüssel für das Erwachen eines tieferen Verständnisses und Interesse an den beiden ersten Gliedern.

Aufbauend auf diesen ersten vier, so genannten externen Gliedern:

1. Yama, 2. Niyama, 3. Asana, 4.Pranayama

entfalten sich über eine regelmäßige Praxis die letzten vier, nach innen orientierten Glieder:

5. Pratyahara, 5. Dharana, 7. Dhyana, 8. Samadhi

 

Benefits 


Das ultimative Ziel von Ashtanga Yoga ist die Selbsterfahrung, die Entdeckung und Erfahrung des wahren Selbst.
Auf dem Weg dorthin hat die regelmässige Ashtanga Yoga Praxis für den Übenden noch viele andere, extrem positive (Neben-) Effekte.

 

Für den Körper

  • Höhere Flexibilität bei gleichzeitiger Kräftigung der Muskeln, da dehnende Übungen mit kräftefördernden Übungen gepaart werden.
  • Steigerung der Kondition, da der Körper über den gesamten Zeitraum einer Übungseinheit ohne Unterbrechung dynamisch bewegt wird.
  • Förderung des gesamten Stoffwechsels, Kräftigung des Kreislaufs und des Nervensystems.
  • Die Fähigkeit, auch körperlich vollkommen zu entspannen, wird angeregt, gleichzeitig wirkt die Praxis aber doch energetisierend.
  • Durch die Ujjayi-Atmung kommt es zu einer extremen Hitzeentwicklung im Körper. Die Schweißproduktion wird drastisch angeregt und dadurch werden Schlacken und Gifte abgebaut und der gesamte Körper innerlich gereinigt.
  • Viele körperliche Beschwerden, hervorgerufen durch mangelnde Bewegung, Fehlhaltung und einseitige Belastung wie Rückenschmerzen, Nackenprobleme, Gelenksschmerzen können dauerhaft korrigiert und beseitigt werden.
  • Es verändert sich nicht nur das äußere Erscheinungsbild des Körpers, viele Asanas wirken direkt auf innere Organe. Durch Anregung von Blutzirkulation und Stoffwechsel wird die Funktionstätigkeit dieser Organe gesteigert.

  Für den Geist

  • Förderung von Stressabbau, geistiger Entspannung und Ausgeglichenheit.
  • Verbesserung des Konzentrationsvermögens und der allgemeinen Leistungsfähigkeit.
  • Abbau von mentalen Blockaden, Aufbau von Willenskraft und Steigerung der Fähigkeit, schwierigere Situationen leichter zu meistern.
  • Man wird fokussierter und die Konzentration auf das Wesentliche, tatsächlich Wichtige im Leben, wird intensiviert. Ein Loslassen von alten, blockierenden Verhaltensmustern beginnt.
  • Das Bewusstsein für den Augenblick, das Hier und Jetzt, wird erweckt.
  • Führt zur Kontrolle über die Gedanken und deren Bewegungen bis hin zu einer vollkommenen Kanalisierung aller Gedanken in tiefer Meditation bzw. Samadhi.

Die langjährige, regelmässige, korrekte Praxis kann zu einer tiefen Transformation der gesamten Persönlichkeit führen. Dies eröffnet dem Praktizierenden einen neuen Weg, das Leben zu geniessen und wahres Glück zu verspüren.


Elemente von Ashtanga Yoga

1. Abfolge der Asanas

  • Es gibt 6 verschiedene Serien von Asanas, die sich durch einen ansteigenden Schwierigkeitsgrad unterscheiden. Die Asanas werden von Serie zu Serie komplexer und kombinieren mehr und mehr Flexibilität und Körperkraft in den einzelnen Übungen.
  • Das Beherrschen der vorhergehenden Serie bringt die notwendigen Vorraussetzungen an Flexibilität und Körperkraft, aber auch Konzentrationsvermögen für die nächste. Alle Asanas einer Serie sind daher sehr gut zu beherrschen, bevor man die nächste Serie beginnt.
  • Schon die erste Serie zu meistern, kann abhängig von Alter, Einsatz, Hingabe und grundsätzlicher körperlichen Konstitution einige Jahre täglicher Übung benötigen.Nur wenige, sehr fortgeschrittene Yogapraktizierende üben derzeit die 3. oder 4. Serie, maximal eine handvoll weltweit die fünfte und die 6. Serie. Diese wird derzeit wahrscheinlich nur von Sharath, dem Enkel von Sri K. Pattabhi Jois, geübt.

 

2. Vinyasa (Synchronisierte Bewegung)

  • Vinyasa bedeutet Synchronisation von Bewegung und Atmung.
  • Alle Bewegungen, die in ein oder aus einem Asana führen, werden präzise in einer vorgegebenen Reihenfolge mit der Atmung synchronisiert.
  • Die einzelnen Asanas werden mit einer atemsynchronisierten Bewegungsabfolge miteinander verknüpft und die ganze Asanapraxis wird zu einer dynamischen Einheit verbunden.

 

3. Ujjayi Atmung (ozeanische Atmung)

  • Bedeutet langsam durch die Nase ein und aus zu atmen.
  • Der Atem strömt etwa vier bis fünf Herzschläge hinein und fließt vier bis fünf Herzschläge heraus.
  • Während dieses Atmens erzeugt der Praktizierende einen sanften Laut in der Kehle, der an das stetige Rauschen einer Meeresbrandung erinnert.
  • Der Ton des Einatmens hat dabei dieselben Qualitäten wie der Ton des Ausatmens.
  • Beim Ausführen dieser Technik mag Hitze die erste Empfindung sein.
  • Sie gibt innere Energie, scheinbar unmögliche physische Anstrengungen zu meistern.
  • Fortgeschrittene Yoga-Positionen scheinen oberflächlich das Ergebnis von grosser Muskelkraft zu sein. Diese ist ohne Frage nötig, doch die Muskeln bekommen ihre Kraft aus dem Prana und das Ujjayi Pranajama liefert das Prana zu den Muskeln.
  • Sie ist der Messstab für die Qualität Ihrer Praxis.
  • Ein zu gewaltsamer Atem weist auf eine verkrampfte Praxis hin, ein schläfriger Atem zeigt eine schwache Konzentration beim Üben.
  • Das rechte Gleichgewicht zwischen hart und weich, schnell und langsam, bedeutet, sich einer bewegten Meditation anzunähern.

 

Vorteile der Ujjayi Atmung

  • Abbau von Toxinen. Die tiefe Atmung mit geschlossenem Mund erwärmt den Körper innerlich. Dies kurbelt die Durchblutung an und regt den Organismus zur Entgiftung an.
  • Durch die Konzentration auf das Rauschen des Atems, kommt der Geist zur Ruhe
  • Der Körper wärmt sich von innen und wird geschmeidig
  • Balance und innere Ruhe (Stressreduktion)
  • Der Energiefluss (Prana) wird aktiviert
  • Vermehrte Energieaufnahme durch die erhöhte Sauerstoffzufuhr 

 

4. Bandhas

  • Bandha bedeutet Energieverschluss und man versteht darunter aktivierte Muskelgruppen, die Prana (Energie) während der Asana- und Pranayamapraxis im Körper frei machen und kontrolliert in die Nadis (Energiebahnen im Körper) leiten sollen.
  • Die Aktivierung der Bandhas und die dadurch geleitete Prana geben dem Körper Energie, Leichtigkeit und Stärke während der Asana Praxis.

Gemäß Pattabhi Jois ist die Asana Praxis ohne die Anwendung der 3 Bandhas nur von geringem Wert.

       1. Mula Bandha:

  • Dieser Verschluss liegt im Beckenbodenbereich. Bei Männern zwischen Anus und Prostata. Bei Frauen im vorderen Genitalbereich.
  •  Mula Bandha wird durch leichtes Einziehen bzw. Anheben des Perineums in den Körper aktiviert.

       2. Uddiyana Bandha:

  • wird im Unterleibsbereich aktiviert. Dabei wird der Bereich zwischen Schambein und Nabel eingezogen

            und leicht in die Bauchhöhle hochgezogen.

       3. Jalandhara Bandha:

  • Ist der Kehlverschluss, der Kopf wird nach vorne Richtung Brust gebeugt und das Kinn auf die Brust gedrückt.

Mula Bandha und Uddiyana Bandha werden während der gesamten Asanapraxis aktiviert,

Jalandhara Bandha wird nur bei bestimmten Asanas bzw. bei der Pranayama Praxis bei Kumbhaka (Atemanhaltung) angewendet.

 

5. Drishti (Blickpunkte)


Drishtis sind Blickpunkte, auf die die Augen während der Asanapraxis fixiert werden.

So werden die Augen ruhig und fokussiert, der Blick schweift nicht herum und der Praktizierende wird nicht abgelenkt.

Die Gedanken werden auf die Praxis zentriert und nach innen gerichtet. Jede Asana hat ein bestimmtes Drishti.
 

 

Ashtanga Mantren


Zu Beginn der Ashtanga Yoga Praxis

Zu Beginn der Ashtanga Yoga Praxis gedenken wir der Jahrtausendealten Tradition und verneigen uns vor ihr mit einem Mantra (= Gebet).
Im speziellen verneigen wir uns vor Patanjali, als einen der wichtigsten Führer für den philosophischen Weg des Ashtanga Yoga.

Om
vande gurunam caranaravinde
sandarshita svatma sukha va bodhe
nih sreyase jangalika yamane
samsara halahala mohasahantyai
abahu purushakaram
shankacakrasi dharinam
sahasra shirasam svetam
pranamami Patanjalim
Om

 

Deutsch:
Zu seinen Lotusfüßen sitzend bete ich zu dem höchsten Lehrer, der das richtige Wissen lehrt,
indem er den Weg aufzeigt zum großen Glücksgefühl der Selbsterkenntnis;
er ist der Arzt im Dschungel, der fähig ist, das Gift der Unwissenheit unserer konditionierten Existenz zu entfernen.
Vor ihm, Patanjali, verneige ich mich tief, denn er ist eine Inkarnation von Adishesa,
von weißer Farbe mit tausend strahlenden Häuptern (in seiner Form als göttliche Schlange Ananta)
in menschlicher Form hält er unter der Schulter das Schwert (als Unterscheidungskraft zwischen Realität und Illusion),
ein Feuerrad (den Lichtdiskus der die unendliche Zeit repräsentiert), und ein Muschelhorn (den göttlichen Klang).

 

Zum Schluss der Ashtanga Yoga Praxis

Das Mangala Mantra am Ende der Ashtanga Vinyasa Yoga Praxis sendet Liebe, Licht und Frieden in die Welt.

Om
Svasti praja bhyaha pari pala yantam
Nya yena margena mahi mahishaha
Go brahmanebhyaha shubamastu nityam
Lokah samastah sukhino bhavantu
Om shanti shanti shanti

 

Deutsch:


Der spirituelle Reichtum sei hoch gerühmt.
Mögen die Verwalter der Welt sie gerecht und korrekt lenken,

damit alles Göttliche und Weise Geschützt ist, und alle Wesen glücklich und begünstiget sind.

 

 

Wenn diese Form des Ashtanga Yoga, in korrekter Weise praktiziert wird, ermöglicht es dem Praktizierenden sein volles Potential auf allen Ebenen des menschlichen Bewusstseins zu entdecken und zu erweitern physisch, psychisch, intellektuell und spirituell.


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